Nachtruhe Irrtümer und Weisheiten

Weisheiten über unsere Nachtruhe auf dem Prüfstand: Schlafforscher Albrecht Vorster sagt, was stimmt. Und was nicht :

Ja, das ist korrekt und am häufigsten bei Schichtarbeitenden zu beobachten. Sie leben kürzer und haben häufiger Gesundheitsprobleme, weil sie unregelmäßig, zur falschen Zeit (am Tag) und zu wenig schlafen.

2.  Schlaf macht schön

Ja. In Experimenten haben Wissenschaftler festgestellt, dass wir von anderen durchschnittlich sechs Jahre älter eingeschätzt werden, wenn wir 24 Stunden keinen Schlaf hatten. Eine gute Nacht hingegen verjüngt.

  • Auf der Seite schläft man schlecht

Nein, das stimmt nicht. Auf der Seite zu schlafen ist für Schnarcher meistens die bessere Option, da dann die Zunge im Schlaf nicht in den Rachen fallen kann und es so zu weniger Atemaussetzern kommt. Bei einer passenden ergonomischen Matratze und passendem Kopfkissen sind Rückenlage und Seitenlage gleich gesund für die Wirbelsäule.

  • Der beste Schlaf ist der vor Mitternacht

Nein. Die ersten drei Stunden Schlaf enthalten den meisten Tiefschlaf, egal ob sie vor oder nach Mitternacht stattfinden. Wir sollten dann ins Bett gehen, wenn wir müde werden. Für Spättypen (Eulen) ist dies nach Mitternacht.

  • Vollmond stört den Schlaf

Nein. Dafür fehlt jeder Beweis.

  • Man braucht mindestens acht Stunden Schlaf

Nein. Die Schlafdauer, die wir brauchen, ist individuell verschieden. 90 Prozent der Bevölkerung benötigt zwischen 6 und 8 Stunden. Es gibt auch geborene Kurzschläfer, die glücklich mit 4 oder 5 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Wichtig ist, dass wir morgens ausgeschlafen sind und nicht am Wochenende Schlaf nachholen müssen.

7 .  Schlafmangel schadet der Gesundheit

Ja, das ist korrekt und am häufigsten bei Schichtarbeitenden zu beobachten. Sie leben kürzer und haben häufiger Gesundheitsprobleme, weil sie unregelmäßig, zur falschen Zeit (am Tag) und zu wenig schlafen.

  • Wer nachts wenig schläft, kann es am nächsten Tag nachholen

Ja, der Körper holt Schlaf vor allem durch eine Intensivierung des Tiefschlafs nach, die Schlafqualität wird also besser nach einer kurzen Nacht. Für Menschen mit einer Ein- und Durchschlafstörung empfehlen wir explizit, auf den Mittagsschlaf zu verzichten und die verstärkende Wirkung der Schlafreduktion zu nutzen. Durch etwas reduzierte Schlafdauer schlafen wir schneller ein und besser durch, da wir tiefer schlafen.

  • Nachts aufwachen ist bedenklich

Nein. Wir wachen 5- bis 20-mal pro Nacht auf, nur erinnern wir uns meist nicht daran. Die durchgeschlafene Nacht ist eine Illusion. Wir brauchen diese Wachphasen, damit wir nach dem Rechten sehen können und sich unser Körper umlagern kann. Auch nächtliche Toilettengänge sind normal. Mit zunehmendem Alter werden die kurzen Wachzeiten länger.

  1. Am besten schläft man allein

Jein. Subjektiv steigt die Schlafqualität, wenn wir neben einem Partner liegen. Objektiv kann der Schlaf jedoch durch Schnarchen oder häufige Bewegungen gestört werden.

  1. Alkohol hilft beim Einschlafen

Ja, Alkohol erleichtert das Einschlafen, sorgt aber für häufigeres Erwachen in der zweiten Nachthälfte. Außerdem entspannt er die Rachenmuskeln und begünstigt Schnarchen und damit störende nächtliche Atempausen, die sogenannte Schlafapnoe.

  1. Wer gähnt, ist müde 

Nein. Wir gähnen am häufigsten am Morgen nach dem Aufstehen. Das dehnt die Kiefermuskeln. Wir gähnen auch aus Langeweile. Gähnen hat also viele Funktionen.

13. Mittagsschlaf ist für Weicheier 

Jein. Ein Nickerchen kann Leistungsfähigkeit und Konzentration erhöhen. Das abendliche Eindösen vor dem Fernseher bedeutet ein „Vorschlafen“. Es verlängert die Einschlafdauer und verringert die Schlaftiefe. Wir empfehlen tagsüber einen maximal 15-minütigen Powernap, der durch einen Wecker kontrolliert wird.

14. Nach 20 Uhr nichts mehr essen 

Ja. Mit vollem Magen schlafen wir schlechter ein und durch. Gönnen Sie Ihrem Körper eine nächtliche Essenspause von zwölf Stunden.

15. „Erst mal eine Nacht drüber schlafen“- richtig?

Ja. Während des Schlafs werden unsere Erinnerungen sortiert, bewertet und gefestigt. Wir wachen mit einem anderen Gehirn auf, als wir eingeschlafen sind. Schlaf stärkt also die Zusammenschau aller vorliegenden Eindrücke und hilft uns daher, bessere Entscheidungen zu treffen.

16. Blaues Handylicht raubt den Schlaf 

Jein. Licht erschwert das Einschlafen, aber
es ist unklar, ob der Blaulichtanteil des Smartphones daran besonderen Anteil hat und
ob deshalb Blaulichtfilter Sinn machen. Ich empfehle, das Smartphone ebenso wie alle anderen Bildschirme eine halbe Stunde vor dem Ins-Bett-Gehen auszuschalten, auch weil Social Media und Nachrichten bei uns Stress und starke Emotionen auslösen können, die wir mit in den Schlaf nehmen.

17. Am besten schläft man nach gutem Sex 

Ja, beim Sex oder bei der Selbstbefriedigung wird Dopamin ausgeschüttet. Es reduziert die Symptome des Restless-Legs-Syndroms. Auch Oxytocin wird freigesetzt und vermittelt Geborgenheit. Nach der Anspannung entspannen sich unsere Muskeln, auch dies lässt uns schneller und besser schlafen.

18. Schlafwandler darf man nicht ansprechen 

Ja. Schlafwandler schlafen tief und fest, zumindest mit der Hälfte ihres Gehirns. Wenn wir sie aufwecken, ist es, als würden wir jemanden mitten aus dem Tiefschlaf reißen. Schlafwandler reagieren dann verstört, unwirsch und orientierungslos. Am besten ist es, einen Schlafwandler ruhig in sein Bett zurückzuführen.

Dr. Albrecht Vorster, 39, leitet das Swiss Sleep House Bern. Er schrieb das Buch „Warum wir schlafen“

Quelle:FOCUS 6/2024, Seite 68

Foto: akg-images, Kay Blaschke